,,Learning by moving“

beschreibt, was derzeit 77 Kinder der dritten Klasse der Freiburger Vigelius-Grundschule in einem intensiven und auf zwei Jahre angelegten Tanz-Schul-Projekt unter der künstlerischen Leitung des Choreographen und Tänzers Graham Smith erleben: mit dem Körper und durch Bewegung bewusst die Welt zu erschließen, seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten spielerisch kennen zu lernen und das Wissen, das jedes Kind mit sich trägt, ans Licht zu bringen. Im Team mit Graham Smith unterrichten 10 TänzerInnen, eine Puppenspielerin und vier Percussionisten die Kinder in Grundlagen von Bewegung und Tanz. Am Ende des Schuljahres steht eine Aufführung im Kleinen Haus des Theater Freiburg. Doch noch wichtiger als die Aufführung ist der Prozess, der dahin führt.

Kreise, Drehungen, Diagonalen, Richtungen, Rhythmus, Raum, Zeit. Das sind Kategorien, auf denen nicht nur der Tanz, sondern zum Beispiel auch Mathe beruht. Eine ganze Drehung ist gleichzeitig eine Drehung um 360°, eine Vierteldrehung 90°. Durch die körperliche Erfahrung von Dichte, Masse, Volumen, potenzielle Energie und Raumflächen wird hoch-komplexer Lernstoff praktisch und somatisch verstanden. Bei Learning by moving sind immer mehrere Fächer gleichzeitig im Spiel, denn auch Sprache(n), Musik und Rhythmus sind Teil der Bewegungs-Schule. – Manchmal geht es auch darum, zu ver-lernen, was der freien Entfaltung von Körper und Geist im Weg steht: Angst, Scham, Unaufmerksamkeit, Aggression oder Konkurrenzdenken können Kindern wie Erwachsenen im Wege stehen.

Nach einer Intensivwoche im November kommen die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern nun ein- bis zweimal wöchentlich während ihrer Schulzeit ins Tanzstudio des Theater Freiburg – mit sichtbarer Freude und mit beachtlichen Fortschritten.

DER TAG im FACH TANZ
Der Schultanztag hat einen klaren Ablauf:
1. Bei dem Braindance wird der Körper warm und der Geist wach.
2. Jeder Tag folgt einem bestimmten Thema bzw. BewegungsKonzept wie zum Beispiel „Richtungen“, „Ebenen“ oder „Kraft“. Im zweiten Teil des Tages wird dieses Konzept zusammen mit Tanzlehrern und Kindern erkundet und praktisch geübt.
3. Im Teil „Fähigkeiten entwickeln wird mit Tanzelementen wie Springen, Rollen, Drehen, Musikalität konkret technisch gearbeitet.
4. Beim freien Spiel können die Kinder das Gelernte in meist kleineren Gruppen frei anwenden und erste Schritte in Richtung eigener Umsetzungen des Konzepts in Form kleiner Choreographien machen.
5. Beim Feedback beschreiben die Kinder, was sie erkennen und verstehen, wenn sie die anderen bei ihren Bewegungen beobachten. Und schließlich, welche Teile des Tages ihnen besonders viel Spaß oder auch Schwierigkeiten bereiten.

CREATIVE DANCE
Learnig by Moving arbeitet mit dem Konzept des „creative dance“. Dabei geht es nicht darum, vorgegebene Choreographien zu erlernen, sondern sich und seine Umgebung durch Bewegung, Rhythmus und in der Arbeit mit Materialien und mit seinen eigenen Worten und Ideen praktisch zu erkunden. Die abstrakten Kategorien des Tanzes „Raum“ und „Zeit“ werden im creative dance für die Kinder praktisch. Sie erfahren genaue Unterschiede von Geschwindigkeiten, Richtungen und Energien des Körpers und die Vielfalt ihrer Kombination. Sie lernen, was eine Bewegung zu einer bestimmten werden lässt und auch welche Emotionen jemand damit auslöst. Jedes Kind führt die Übungen seinen eigenen Möglichkeiten entsprechend aus. Jedes Kind springt so hoch es kann; und mit viel Üben noch ein bisschen höher.

TANZ ist AUSTAUSCH
Wer tanzt, lernt seinen persönlichen Raum und den Raum der anderen genau kennen. Sich horizontal, vertikal, diagonal strecken, sich mal klein und mal ganz groß machen; sich vom zweidimensionalen in den dreidimensionalen Raum drehen.  – Learning by moving regt die Kinder dazu an, das Wissen, das sie selbstverständlich in ihrem Körper tragen, wahrzunehmen und positiv einzusetzen. Das ist die Voraussetzung, um mit einem anderen Kind oder Erwachsenen oder in der Gruppe in Austausch zu treten. Denn Tanzen heißt vor allem eines: den Dialog mit dem anderen zu suchen. Tanzen setzt auf Zusammenarbeit, Sensibilität und respektvollen Umgang miteinander. Nur wer sich kennt, kann sich auch auf seinen Tanz-Partner einlassen.

DIE BEWEGUNGEN DES ANDEREN VERSTEHEN und FORMULIEREN
Ein wesentlicher Ansatz von Learning by moving, ist das Bewusstwerden und Verstehen von körperlichen und tänzerischen Zeichen. Die Kinder erfahren sich in jeder Tanzeinheit sowohl als Tänzerinnen und Tänzer als auch als Zuschauer und werden regelmäßig gebeten, sich gegenseitig genau zu beobachten und Bewegungen der anderen zu beschreiben. Etwas gut und schlecht zu finden, ist zweitrangig. Wesentlich ist, detailliert zu beobachten, Worte und genaue Formulierungen für das, was man sieht, zu finden. Die Kinder erfahren dabei unter anderem, wie viel Wissen sie jederzeit zur Verfügung haben, wie viel Spaß es macht, dieses oft nur implizit vorhandene Wissen anzuwenden und frei auszusprechen, was man sieht.

KREATIVITÄT
Learning by moving folgt einem künstlerischen Ansatz, der zwar sehr viele Aspekte des Lernens und regelmäßigen Übens beinhaltet. Letztendlich geht es dem künstlerischen Team aber darum, die Kinder über die Regelmäßigkeit der körperlichen Praxis und die Souveränität, die sie dabei gewinnen, an Erfahrungs-Bereiche heranzuführen, die über das Bekannte hinausführen. Tanz beinhaltet neben dem Ritual auch das Unvorhergesehene, Überraschende. Irgendwann geht Bewegung  in einen schöpferischen, eigenwilligen Akt der Kreation über, den man dann mit „Choreographie“ bezeichnen kann.

AUSBLICK
Learning by moving ist ein Pilotprojekt, das in Zukunft Umsetzung in vielen Freiburger Grundschulen und anderen Schultypen finden soll. Das Projekt wird zum Abschluss des ersten Jahres von künstlerischer und schulischer Seite gemeinsam ausgewertet. Im zweiten Jahr des Projekts beginnt ein neuer Learning by moving Zyklus in der dritten Klassenstufe der Vigelius-Grundschule. Eine größere Gruppe des ersten Zyklus hat zudem im zweiten Jahr die Gelegenheit, gemeinsam mit einem künstlerischen Team um Graham Smith eine Tanzproduktion zu entwickeln, die im Juli 2014 im Theater Freiburg Premiere feiern wird.

TEAM 2014/2015
Leitung: Graham Smith
Klassenlehrer: Frau Lunter, Frau Roth, Frau Wendel
Tanz-Klassen-Lehrer: Olivia Maridjan-Koop, Maria Pires, Graham Smith
Wissenschaftliche Begleitung: Kirstin Lang, Steffanie Pietsch
Percussionist: Peer Kaliss
Produktionsassistenz: Ann-Christin Goertz

TEAM 2013/2014
Konzept & Künstlerische Leitung: Graham Smith
Klassenlehrer: Gabriela Kiefl, Eva Drescher, Dagmar Sandholzer
Tanz-Klassen-Lehrer: Olivia Maridjan-KoopMaria Pires, Graham Smith
Workshops: Unita Gay Galiluyo, Alice Gartenschläger, Simon Endres, Belinda von Freyman, Doris Günther, Tanya Gutekunst, Amit Hadari, Sumi JangJulia Kathriner, Lea Martini, Lioba Merz, Henry Motra, Rosalie Schönherr, Tim Weseloh
Percussionisten: Peer Kaliss, Philipp Kurzke, Nicholas Reed, Konrad Wiemann
Dramaturgie & Konzept: Inga Schonlau
Evaluation: Martin Dornberg, Inga Schonlau
Supervision: Inga Moritz
Projektassistenz: Jaska Gering

TEAM 2012/2013
Konzept & Künstlerische Leitung: Graham Smith
Klassenlehrer: Kea Ellée, Frank Helbing, Christel Pfeffer
Tanz-Klassen-Lehrer: Unita Gay Galiluyo, Olivia Maridjan-Koop, Henry Motra, Maria Pires, Graham Smith
Workshops: Alice Gartenschläger, Simon Endres, Belinda von Freyman, Jule Hermann, Sumi JangJulia Kathriner, Lioba Merz, Vanessa Valk, Tim Weseloh
Percussionisten: Peer Kaliss, Philipp Kurzke, Nicholas Reed, Konrad Wiemann
Dramaturgie & Konzept: Inga Schonlau
Evaluation: Martin Dornberg, Inga Schonlau
Supervision: Inga Moritz
Projektassistenz: Jule Hermann

Advertisements
Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen